Bildung und Wissenschaft seit der Wende: Zur Transformation by Hans-Werner Fuchs

By Hans-Werner Fuchs

1. 1 Zum Thema In den Jahren 1989 und 1990 vollzogen sich in Europa Umbrüche mit welt­ weiten Folgen. Die friedlichen Revolutionen in den mittelosteuropäischen Staaten, die Auflösung der Warschauer Vertragsorganisation und des sowjeti­ schen Macht- und Einflußbereiches, der Zerfall der Sowjetunion und nicht zuletzt die Wiedererlangung der deutschen Einheit sind Teile eines Prozesses, der in historischer Perspektive mit dem Ersten Weltkrieg einsetzte und erst 1 durch die genannten Ereignisse einen vorläufigen Abschluß fand . Die histo­ rischen Veränderungen erfordern eine Neuorientierung in einer Welt, in der Politik und politisches Denken seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges von der Bipolarität antagonistischer Machtblöcke dominiert wurden und unter dem Signum Ost-West-Konflikt nahezu alle anderen politischen, ökonomi­ schen und gesellschaftlichen Entwicklungen überlagerten. 1990 nahm der durch die Teilung in Deutschland besonders deutlich her­ vorgetretene Ost-West-Konflikt ein Ende, kam der Zweite Weltkrieg zu ei­ nem auch formalen Abschluß. Im Zuge der Vereinigung beider deutscher Staaten und der in diesem Zusammenhang geschlossenen völkerrechtlichen Verträge wurde die Nachkriegsordnung obsolet. Die ehemaligen Siegermäch­ te bestätigten der vergrößerten 'neuen' Bundesrepublik Deutschland ihre völ­ kerrechtliche Souveränität, und mit der Republik Polen wurden noch offene, insbesondere territoriale Fragen rechtlich verbindlich geregelt. So konnten die äußeren Aspekte der Vereinigung im Jahr 1990 unerwartet zügig und kon­ fliktfrei gelöst werden.

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Decisions for War, 1914-1917

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The Transformation of German Jewry, 1780-1840

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Solar Dance: Van Gogh, Forgery, and the Eclipse of Certainty

In Modris Eksteins's fingers, the interlocking tales of Vincent van Gogh and artwork broker Otto Wacker demonstrate the origins of the elemental uncertainty that's the hallmark of the trendy period. in the course of the lens of Wacker's sensational 1932 trial in Berlin for promoting faux Van Goghs, Eksteins bargains a special narrative of Weimar Germany, the increase of Hitler, and the substitute of nineteenth-century certitude with twentieth-century doubt.

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Dies waren insbesondere Bündnis 90, die CDU und die dieser nahestehende Christlich-Demokratische Jugend (CDJ); vgl. BA 8/l990, S. 5; BA 14/1990, S. 4. SPD, CDU, Christlich-Demokratische Jugend (CDJ), Zentraler Runder Tisch; vgl. BA 8/1990, S. 5, S. 41; BA 1411990, S. 15; ad hoc. H. 5/90, Sonderbeilage 1/90, s. 2. SPD: Reform und Ausbau des Bildungswesens, in: BA 8/l990, S. 47. Vgl. BA 8/l990, S. 36 (PDS); BA 14/l990, S. 6 (Bündnis 90), S. 15 (CDU), S. ) 1991, S. 172 (Grüne Partei). 51 Unterricht und Erziehung (GUE), die soziale Sicherheit und gewerkschaftliche Rechte für ihre Klientel in den Vordergrund stellte87 .

So sollten die Prinzipien der bisherigen Berufs- und Bedarfslenkung eingestellt und darüber hinaus geprüft werden, ob jeder Jugendliche dazu verpflichtet werden könne, eine Berufsausbildung zu absolvieren90 . Praxisnähe und die Berücksichtigung individueller Interessen sollten wieder Kennzeichen der Berufsbildung sein und die freie Berufswahl als Grundrechtjedes Bürgers verankert werden. Verschiedene Akteure betonten die gemeinsame Verantwortung von Staat und Wirtschaft für die Berufsausbildung.

Auch die inneren Verhältnisse im Schulwesen waren Gegenstand von Reformvorschlägen. Viele bildungspolitische Veröffentlichungen enthielten Forderungen nach erweiterten Mitsprache- und Mitbestimmungsrechten für Schüler, Eltern und Lehrer in unabhängigen Interessenvertretungen oder nach einer grundlegenden Neufassung der Schulordnung69 . Der Demokratische Aufbruch setzte sich für demokratische Mitbestimmung durch Schülerräte und Schulzeitungen sowie ein elterliches Vetorecht bei organisatorischen und konzeptionellen Veränderungen in Schulen ein; die Deutsche Forumpartei wollte ganz allgemein eine demokratische Schule, in der das Einüben demokratischer Verhaltensweisen möglich sein sollte70 • Die Stärkung des Elternrechts in der Erziehung und bei der Bestimmung des Bildungsweges der Kinder fand sich im größten Teil der seit dem Herbst 1989 veröffentlichten Positionspapiere und politischen Programme71 • Die beiden Unionsparteien der DDR, CDU und DSU, machten sich für die Verwirklichung einer Forderung besonders stark, die nach ihrer Ansicht einer verfassungsmäßigen Verankerung bedurfte: "Das Grundrecht der Eltern, die Erziehung ihrer Kinder zu bestimmen"72 und die Betonung der Priorität elter67 68 69 70 71 72 Vgl.

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